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Auf eine Mail mit Uschi Zietsch

Uschi Zietsch (Copyright liegt bei ihr)

Uschi Zietsch (Copyright liegt bei ihr)

Schon über 50 Mal habe ich der bekannten Schriftstellerin Uschi Zietsch in unserer Kolumne Fragen rund ums Schreiben und das Fantastische gestellt – und mich auf spannende und unterhaltsame Antworten gefreut.

In diesem März ging es um das Thema Dystopie. Auf die Idee dazu kam ich durch den bevorstehenden Film „Die Bestimmung – Insurgent“. Darin geht es um eine Zukunft, in der eine Gesellschaft ihre Bürger in Fraktionen einteilt, die das Leben ihrer Mitglieder und die Beziehungen unter den Fraktionen streng regeln. Wie sich herausstellte, war Uschi mit dem Thema aus ganz anderen Gründen auch gerade beschäftigt.

Die Kolumne erscheint monatlich auf Zauberspiegel-Online. Hier ein kleiner Appetit-Anreger:

 

Dystopie – darf’s ein bisschen negativer sein?

Große Fragen, die die Welt bedeuten: Warum sind Dystopien beliebt? Ist es unser Hang zum Pessimismus, ist es eine Frage der Dramatik? Hat der Autor überhaupt eine Wahl? Und wie stehen Utopie und Diktatur zueinander? Ich rede mit Uschi Zietsch über perfekte Welten und nicht ganz so perfekte Fragen. Wenn ich dieses Mal Uschi ein wenig verwirre, dann geschieht das ohne Absicht. Ganz ehrlich! Auch, dass ich ihr ein bisschen unheimlich bin.

Andreas: Das Sub-Genre der Dystopie ist ein allzeit beliebtes Genre, das gerade zur Zeit in Buch- und Filmreihen immer wieder auftaucht. Die Dystopie wirkt wie die Wahnvorstellung eines Pessimisten, der sich überlegt, was alles schiefgehen könnte. Ist aber die Dystopie nicht vielmehr die einzige verwendbare Form der Zukunft in einem Roman, da ein Roman Konflikte und Spannungen braucht? Selbst eine so glückliche Gesellschaft wie die der Föderation in Star Trek braucht Konflikte, um erzählbar zu sein.

Uschi: Ja, natürlich. Es wäre ein ziemlich kurzer Roman: „Sie lebten glücklich in einer schönen Welt.“ Ende.

Wahnsinnig spannend. Was will man da für eine Geschichte erzählen? Ich erinnere mich dabei an ein Schreibseminar vor Jahren, an eine Kurzgeschichte einer Seminarteilnehmerin, die es tatsächlich geschafft hat, eine Geschichte zu erzählen, die Potential für jede Menge Konflikte geboten hätte … aber sie hat sie tatsächlich alle umschifft! Dazu haben wir alle ihr gratuliert. Das muss man erst mal hinkriegen. Aber natürlich war es keine Geschichte, die man zweimal lesen will; vor allem, selbst in unserem langweiligen Alltag passieren doch permanent die skurrilsten Dinge. Und sei es nur, dass man das Käsebrot in die Spülmaschine und den benutzten Teller in den Kühlschrank stellt.

Gut, es ist selbstverständlich möglich, Konflikte in einer modernen, angenehmen Zukunftswelt darzustellen, wobei das bedeutet, dass diese Welt eben auch nicht perfekt ist, und dass irgendwas am System nicht stimmt. Selbst ein einfacher Krimifall gefährdet da schon das gesamte System, denn die Aufklärung kann nicht so verlaufen wie bei uns (dann wären wir bei uns) und eigentlich sollten die Präventionen auch anders sein. Das zeigt uns: Der Schein ist trügerisch! Woran denke ich dabei? Richtig. „Brazil“. Der großartigste dieser Schöne-Welt-Filmen, der mit einer winzigen Verwechslung beginnt …

… weiter geht es auf Zauberspiegel-Online

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