wortbegeistert

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Staubkörnchen

Die Geschichte von Staubkörnchen zeigt meine lyrische Seite und ist ein Zwitter zwischen Story und Gedicht. Ich schätze den Jugendschriftsteller Benno Pludra für seinen ganz eigenen Sprachstil und habe mich beim Staubkörnchen von seiner Sprache inspirieren lassen. Inspiriert hat mich auch das echte Staubkörnchen, denn diese Geschichte entstand nach einer wahren Begebenheit.

 

Da liegt Staubkörnchen, ganz faul und versonnen auf einem Buch.

Was Gebildetes hat es sich ausgesucht heute, ein Buch von Márquez.

Staubkörnchens Lieblingsplatz ist es, mit schönem Blick, gleich über den Einband hinweg durchs Fenster auf den Hof. Jede Menge Leben dort unten.

Wann immer es geht, liegt Staubkörnchen hier.

Die Tür geht auf, Staubkörnchens Mitbewohner kommt herein, ein Mensch,

eine Kanne Tee trägt er, ein Brotbrett, und was man sonst noch so braucht für ein gemütliches Frühstück am Samstagmorgen. Auf das Sofa setzt er sich, gleich neben Körnchens Regal. Auf das gelbe Sofa, gebogen, groß, sehr groß, ein wenig zu groß für das Zimmer, fast wie ein riesiger gestrandeter Goldfisch.

Warum wohl der Mitbewohner so ein großes Sofa hat? denkt Körnchen sich. Doch ihm gefällt es, und der Mitbewohner, nicht weitersagen, gefällt ihm auch.

Doch was macht er jetzt? Zur Balkontür geht er, öffnet sie mit Schwung. Aus ist es mit dem schönen Platz, durch die Luft wird Körnchen gewirbelt, hinauf geht es, in immer tollkühneren Saltos, durcheinander mit all den andren Staubkörnern, den großen und den kleinen, den flauschigen und den struppigen, was für ein Geschrei gibt das, darauf war Körnchen nicht vorbereitet. An der Holzmöwe vorbei fliegt es, hinüber zu den trockenen Kastanien, dem Puzzle, hinweg über die Kerze (ein Glück, daß sie gerade nicht brennt!), hindurch zwischen den Blättern der Pflanze und in einem wahren Kamikazeflug vorbei an dem gierigen kleinen Koalabären.

Was ist er nur für ein Unruhestifter heute, der Mitbewohner, sonst ist er doch auch friedlich, nimmt nicht einmal einen Staubwedel zur Hand, kann keinem Körnchen was zuleide tun. Kein Staubkorn landet bei ihm im Mülli, nein, so einer ist er nicht!

Doch schon macht der Mitbewohner die Tür wieder zu, alle Körner schicken sich an, einen Platz zu finden, die Reise nach Jerusalem ist es und die Musik verstummt – welcher Stuhl ist noch frei? – Staubkörnchens Lieblingsplatz ganz sicher nicht mehr, na gut, dann auf den Bilderrahmen, Kandinsky, keine schlechte Wahl, das Bild kann Staubkörnchen so nah zwar nicht gut sehen, doch was soll’s, wenigstens sieht es von dort seinen Mitbewohner beim Frühstücken.

Staubkörnchen sitzt schon auf dem Rahmen und zwinkert dem Mitbewohner zu. Hat er es bemerkt? Nein, sicher nicht. Aber wenn er es mal braucht, das Staubkörnchen, dann ist es für ihn da. Darauf kann er sich verlassen, ganz sicher!

 

Übrigens ist das hier zwar das Ende der Geschichte, aber erst der Anfang von Staubkörnchen. Es erlebt noch viele neue Abenteuer!

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